Robinson Crusoe im All (Fortsetzung)



Hier schon mal das Vorwort:


Ich erinnere mich: Wie war es bei meinem Vater? Ich sehe mich als Besucher, der durch die Eingangstür ging. Das hat sich geändert. Heute bin ich es, der wartet – wartet auf Besucher. Weil es unvermeidlich ist!

Jetzt ist es auch bei mir so gekommen. Ich habe mich in eine Seniorenresidenz zurückgezogen. Gut gemeinten Ratschlägen ist auf Dauer schwer standzuhalten. Gegen vernünftige Argumente und praktische Erwägungen bin ich nicht immun. Ich habe den Widerstand aufgegeben. Was aber nicht heißt, dass ich für Betreutes Wohnen ausdrücklich und uneingeschränkt werbe. Dagegen habe ich Einwände und Vorbehalte. Dazu die Vorstellung, die mich jedes Mal erschreckt. Dass es ein Rückzugsgefecht ist, das ich nur verlieren kann, unweigerlich, bis zum Ende. Ich tröste mich damit, dass mir nichts anderes übrig bleibt. Die Vorteile überwiegen.

In so einer Einrichtung ist für alles gesorgt. Jeden Morgen um 6 Uhr betritt das Serviceteam den Wohnbereich. Das Reinigen der Räume und die Zusammenstellung des Speiseplanes überlasse ich nur zu gerne dem dafür zuständigen Personal. Ansonsten weise ich jeden Versuch zurück, mich zu einer sinnvollen Gestaltung meiner freien Zeit anzuleiten. Ich lege Wert darauf, den Tagen, die mir noch bleiben, selber eine Struktur zu geben und sie mit Inhalt zu füllen. Wenn die Wartung meines Körpers erledigt und mir die Medikamente für den Tag zugeteilt sind, dann schließt sich die Zimmertür für ein paar Stunden. Ich sitze wieder an meinem Schreibtisch, sehe durch das Fenster hinaus in das Grün der Vegetation und bin für mich allein. Es fällt mir schwer, aber ich komme nicht umhin, mir das einzugestehen. Selbst der kurze Weg ins Bad ist ein kaum zu bewältigender Hindernisparcours. Ich muss es akzeptieren: Abenteuer finden nur noch in meinem Kopf statt! Wenn ich anfange, darüber nachzudenken, was war, dann sehe ich wieder die Bilder. Was ich erlebt habe, das ist kaum sonst jemandem passiert. Wer hat denn je versucht, sich das vorzustellen? Ein Leben, siebenundzwanzig Jahre lang auf einer einsamen Insel, auf einem fernen Planeten, 10.000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Eine andere Welt. Eine extreme Erfahrung. Deshalb darf so eine Geschichte nicht unerzählt bleiben. Das habe ich im ersten Band meiner Reise durch das All getan.

Gegen jede Wahrscheinlichkeit bin ich wieder auf die Erde zurückgekehrt. Die Frage liegt doch auf der Hand, sie stellt sich ganz von selber: Wie ging die Geschichte weiter, mit mir und Klara. Wer jetzt denkt, nichts könne die ungewöhnliche Reise, die hinter mir liegt, noch toppen, dem sage ich: Irrtum, weit gefehlt! Die Rückkehr, die Eingliederung in den Alltag auf der Erde, das entwickelte sich zu einer genau so bemerkenswert ausgefallenen Story. Eben diese Geschichte ist noch zu erzählen. Wenn nicht jetzt, wann dann? "Dann", das bedeutet in meinem Fall doch wohl: ... dann überhaupt nicht mehr. Das schon mal vorweg: Wie der erste, so übertrifft auch der zweite Teil meiner abenteuerlichen Reise jedes noch so perfekt konfektionierte Angebot der kommerziellen Erlebnisindustrie. Geht es doch um weit mehr als um pleasure trip und ego boost. Ein gewichtiger Grund also, auf die Fortsetzung meiner Reise eine berechtigte Neugier zu haben.

Aber wo und wie in die Geschichte einsteigen? Nach ein paar missglückten Versuchen habe ich den passenden Zeitpunkt dafür gefunden. Ich entscheide mich für diese Stelle hier. Das sind die Tage vor unserer Rückkehr, noch bevor wir einen Fuß auf den Boden der Erde gesetzt hatten.